Lobenswertes zum Papstbesuch

Nicht, dass ich ein Fan des zwar klugen, aber dennoch erzreaktionären Altinquisitors Ratzinger wäre – aber die ewig gleichen, linken Veranstaltungen anlässlich seines bevorstehenden Deutschlandbesuchs können einem doch ganz schön auf den Geist gehen. Und ebenso auf den Geist gehen kann einem die Kritiklosigkeit, mit der die Linke den Neuen Atheisten um Richard Dawkins gegenübersteht. Gegen deren Versuch, Gesellschaft in Biologie und Freiheit in Evolution aufzulösen, fällt offenbar kaum jemandem etwas ein.

Angesichts dieses linken Kritikversagens sei allen Interessierten wärmstens eine Veranstaltung des [a:ka] empfohlen:

Kritik der Religion, Kritik des Atheismus

am Dienstag, den 13. September, um 19 Uhr
im APEX, Burgstraße 46, Göttingen

Mit Jan Singer vom [a:ka], der die Religionskritik übernimmt, und Leo Elser von der Redaktion Polemos, der sich bereits in der Bahamas schlau über die anti-kritische Tendenz des Atheismus ausließ.

„Ich bin die Exekutive!“ – oder: Sind Polizisten auch nur Menschen? Ein paar Gedanken zur Staatsgewalt

Kleine Anekdote vom Rande des Castortransports im vergangenen November: Bei Harlingen in der Nähe von Hitzacker blockieren Atomkraftgegner die Bahnlinie; mehrere Tausend sind schon da, und Hunderte strömen noch hinzu. Die Neuankömmlinge erklimmen einen Damm, auf dem zu wenig Polizei dem Ansturm chancenlos gegenübersteht. Die Einsatzleitung hat den Streckenabschnitt fürs erste aufgegeben, und die meisten Beamten schauen dem Treiben tatenlos zu. Ein Polizist jedoch lässt sich von der Sinnlosigkeit seines Tuns nicht abschrecken und räumt, als eine Art umgekehrter Sisyphos, unbeirrt weiter: Immer wieder schubst er ein und denselben Mann die Böschung hinunter, schaut ihm beim Purzeln und danach beim Klettern zu, und nimmt ihn eine halbe Minute später abermals oben in Empfang. Nach drei oder vier Runden hat der Demonstrant, ein eher gesetzter Vertreter seiner Gattung, die Nase voll von dem Spiel und fragt seinen Gegner, was der denn bitte von ihm wolle – seine Kollegen hätten den Bahndamm schließlich längst freigegeben. „Hier ist jetzt ’ne Sitzblockade, räumen werdet Ihr schon früh genug“, empört er sich, und fügt hinzu: „Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?“ Diese Frage bringt den Polizisten kurz aus dem Gleichgewicht, doch dann wirft er seine ganze Prügelbullen-Herrlichkeit in die Waagschale, stemmt die Fäuste in die Hüften und dröhnt übers Gleis: „Ich – bin – die – Exekutive!“
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Gefällt mir: Musik von Ja, Panik

Das aktuelle Album der burgenländisch-berlinerischen Band „Ja, Panik“ heißt DMD KIU LIDT, was ausgeschrieben „Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“ bedeuten soll – und damit natürlich schon ein bisschen kitschig ist. Andererseits: Die Jungs singen so ambivalente Zeilen wie „Achtung, Achtung, Achtung vor der allzu schnellen Heilung/ denn das was uns zerstört, will uns gleich schon reparieren“, um den Kapitalismus zu beschreiben, und so was fiele außer ihnen vielleicht noch den „Goldenen Zitronen“ oder „Tocotronic“ ein. Und sie stellen fest, dass man Pop nicht allzu ernst nehmen dürfe, „gilt es doch nach wie vor, eine Welt zu zerstören.“ Außerdem bringt es allein der Titelsong auf fast eine Viertelstunde guter Musik. Hört’s Euch an!

Zuhause bleiben gegen Nazis – oder: Warum die NPD heute ohne mich tagen musste

Dass Nazis bekämpft gehören, und zwar auf allen Ebenen und mit allen Mitteln, das weiß sogar noch die A.L.I. – auch wenn sie sonst überhaupt nichts mehr weiß. Deshalb ist es erstmal auch zu begrüßen, wenn anlässlich des NPD-Parteitags in Northeim mit 1.400 Gegendemonstranten zu rechnen war. Das Problem, bzw. der Grund warum ich das Spektakel von Zuhause aus verfolgte, ist die Zusammensetzung dieser Nazigegner: 1.000 brave Bürger vom grün-roten Vollkornbourgeois bis zum evangelischen Pfaffen treffen sich zum Kuchenessen gegen Faschismus, und 400 gar extremistische Göttinger Antifas wollen versuchen, der NPD den Tag zu versauen. Die Bürger werden dabei von derselben Sorte Provinz-Pappenheimer angeführt, die vor zwei Jahren in Friedland zum Fremdschämen Anlass gaben – man hat, kurz gesagt, soviel damit zu tun, sich von der Antifa zu distanzieren, dass man sich um die Nazis kaum noch kümmern kann. Die Northeimer CDU etwa phantasiert von „vermummten Schlägertrupps, die sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern“, und warnt im selben Atemzug davor, die Antifa könne friedliche Demonstranten abschrecken. Eine selfullfilling prophecy erster Güte: Seit die Northeimer Einzelhändler wissen, dass sie sich fürchten sollen, haben sie es offenbar tatsächlich mit der Angst zu tun bekommen und ihre Läden verbarrikadiert.
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Kritik des Poststrukturalismus – Theorieveranstaltung am 15. April in Göttingen

Das [a:ka] kommt endlich auch mal wieder in die Gänge und hat Alex Gruber vom Café Critique eingeladen: „Kritische Theorie & Postmoderne – Zur Unmöglichkeit poststrukturalistischer Gesellschaftskritik“ heißt der Vortrag und will den Granden der Postmodernen Theorie von Foucault über Butler bis Agamben nachweisen, dass sie in Sachen Aufklärungsverrat heute die Rolle spielen, die vor 75 Jahren solch illustren Philosophen-Nazis wie Martin Heidegger oder Carl Schmitt zukam. Gruber schreibt für antideutsche Theorieblätter wie Bahamas oder Prodomo und ist Mitherausgeber des Bandes „Gegenaufklärung – Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft“, der demnächst im Ca-Ira-Verlag erscheint. Wer von Gruber schon mal einen Text gelesen hat, dem dürfte sein Hang zu steilen Thesen bekannt sein – was vielleicht nicht für einen ausgewogenen Vortrag sorgt, dafür aber für eine spannende Diskussion. Hier die Veranstaltungsdaten:

Vortrag & Diskussion
mit Alex Gruber (Café Critique)
am Freitag, den 15. April
um 19 Uhr im ZHG 005