Anarchists against Israel, oder: Deppen im ZHG

Linke Antizionisten habe es ja nicht leicht hierzulande: Irgendwie hat man ihnen eingebleut, dass Parolen wie „Boykottiert Israel!“ doch nicht so gut kommen, weil das Erinnerungen an Judenboykotts wachruft; und seit sogar die Bundesregierung etwas von der „unverbrüchlichen Solidarität“ daherfaselt, die Deutschland Israel (wegen der Sache mit Auschwitz) entgegenbringe, kann man seinen Hass auf den Judenstaat einfach nicht mehr so öffentlich herausbaumeln lassen wie früher.
Deshalb ist jetzt „Äquidistanz“ angesagt, und die geht so: „Wir sind gegen die Kriegstreiber und unterstützen die fortschrittlichen Kräfte auf beiden Seiten!“ Das klingt erstmal besser, meint aber letztlich das gleiche wie der alte Antizionismus, denn: Die fortschrittlichen Kräfte in Palästina sind die, die gegen Israel sind, und die fortschrittlichen Kräfte in Israel sind die, die auch gegen Israel sind.


Ein großartiges Beispiel für diese Denke bietet am 22. Mai, 19 Uhr im ZHG Göttingen die Veranstaltung „Anarchists against the wall“, in der ein israelischer Anarchist über die „Mauer“ referieren wird – also über jene befestigte Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland, die zwar für tausende Palästinenser tatsächlich eine große Einschränkung ihres Alltags bedeutet, die aber andererseits beinahe täglich Selbstmordattentäter daran hindert, nach Israel zu gelangen und dort möglichst viele Zivilisten in die Luft zu jagen.
Für die anarchistischen Veranstalter spielt die Schutzfunktion der „Mauer“ (die auf 80 Prozent ihrer Länge ein Zaun ist) selbstverständlich keine Rolle – die Rede ist statt dessen von „Apartheid“ und von einer „rassistischen Trennungsmauer“. Auch die Frage, ob die unterstützten Palästinenser ihr Ideal der Herrschaftsfreiheit teilen, interessiert die selbsternannten Anarchisten nicht: „Der Kampf, der die palästinensische Kultur mit seinen (!) patriarchalen, militaristischen und homophoben Elementen in Frage stellen und verändern soll, ist nicht unser Kampf.“ Mit anderen Worten: Solange es gegen Israel geht, kämpfen wir auch mit Leuten zusammen, die Frauen wegen Ehebruchs und Schwule ihrer Existenz wegen steinigen.
Fazit: Dieser reaktionäre Dreck wird auch dadurch nicht besser, dass ein israelischer Aktivist (als Gewährsmann gegen den Antisemitismusvorwurf) sie vorträgt.


10 Antworten auf „Anarchists against Israel, oder: Deppen im ZHG“


  1. 1 tee 21. Mai 2009 um 1:27 Uhr

    sorry, aber dich nimmt so doch niemand ernst. gegen das eine extrem das andere hochzuhalten ist einfach nur lächerlich. und so wie hier angedeutet sind die veranstaltungen der aatw auch lange nicht.

    das fazit spiegelt ja deutlich deinen standpunkt wieder. es ist eben alles genau so, wie du es haben willst. viel spass beim politik spielen!

  2. 2 lampe 21. Mai 2009 um 12:24 Uhr

    recht hast du. kleiner nachtrag, die zahl der durch die mauer verhinderten terror-attentate wird auf 80% geschätzt.

  3. 3 ri0t 22. Mai 2009 um 1:20 Uhr

    Mal so O-Ton was der Aktivist der eingeladen wurde so von sich gibt…

    Die Gruppe „Anarchists Against the Wall“ (AAW), früher auch „Anarchists against the fence“ oder „Jews against Ghettos“, ist eine lose Organisation aus israelischen AnarchistInnen und Antiautoritären welche Aktionen gegen die Mauer im Gaza Streifen und der West Bank unterstützt. Diese Mauer wird von ihnen als „Apartheids Mauer“ bezeichnet.
    Obwohl sich die Organisation als „Gewaltfrei“ bezeichnet, beteiligen sich die AktivistInnen an Aktionen, bei denen „Tore“ in der Mauer „gewaltsam geöffnet“ werden. Schließlich sehen sie in der Mauer „eine direkte Bedrohung für uns und jeden, der sich nach einem friedlichen und sicherem Leben sehnt“ (1).
    In Interviews für verschiedene Medien schlagen die AktivistInnen mehrere Wege vor, wie dieses Ziel zu erreichen sei.
    Da ist beispielsweise der Aktivist Yossi Bartal. Dieser war „schon immer Aktivist gegen die Besetzung von Palästina“ und bei den AAW aktiv. Er betont die Wichtigkeit einer „internationalen Front“ gegen Israel, die mit dem „weltweiten Boykott von israelischen Waren“ und „Demonstrationen in aller Welt“ einen „Druck“ auf den israelischen Staat aufbauen sollte (2).
    In Israel und den palästinensischen Gebieten beteiligt sich die Gruppe, „ ein -oder zweimal pro Woche“ an „Demonstrationen und Aktionen“. Doch dabei folge man „hauptsächlich palästinensischen Initiativen“ (3). An den „Initiativen“ beteiligen sich allerdings auch Mitglieder der Hamas und anderer antisemitische Gruppen.
    O-Ton Yossi (AAW): „Natürlich demonstrieren wir immer mit Hamas, Islamischem Djihad, Nationalisten, rassistischen Leuten und kämpfen mit ihnen für die selben Ziele. Aber es gibt da immer ein Problem: Wie können wir Anarchismus, Tierrechte, Frauenrechte und Rechte für queers hochhalten während wir mit Leuten zusammen arbeiten, die dagegen sind?“ (4). Gar nicht, würden wir sagen.
    Die konkrete Zusammenarbeit mit „Nationalisten“ und „rassistischen Leuten“ stellt die AktivistInnen vor ganz besondere Probleme. Die Kleidungswahl oder die Anwesenheit von gemischt-geschlechtlichen Gruppen werden konkret geplant: „Wir sagen den Aktivisten, die mit uns in die Dörfer kommen, dass sie sich an palästinensische Sitten anpassen müssen. Zum Beispiel ist es nicht schicklich für Männer, in kurzen Hosen herumzulaufen. An manchen Orten in Palästina sieht man Frauen und Männer, die nicht verheiratet sind, nicht gern zusammen (5)“. Der Aktivist fasst zusammen: „In Tel Aviv müssen wir darüber gar nicht nachdenken, in Palästina schon.“
    In „Palästina“ treffen sich also die Aktivisten der AAW und beteiligen sich an Aktionen der Bevölkerung. Die beginnen, laut einem „Reisebericht“ eines Antifaschisten aus Deutschland, nach „der Freitagspredigt und an der örtlichen Moschee“. O-Ton: „Auch die Dominanz von Mackern und Machos und die geringe, an einer Hand zu beziffernde Zahl von arabischen Frauen – natürlich verschleiert – schien sie weder zu stören noch zu Interventionen zu bewegen“. Man hat ja auch ein einendes „taktisches Ziel“, wie ein Aktivist dem irritierten Reisenden berichtete: „Insofern arbeitet man auch Leuten von der Hamas und dem Islamischen Djihad zusammen (6)“.
    Lassen wir uns von solchen Kleinigkeiten nicht abhalten. Schließlich befinden wir uns in einer „weltweiten Front“ gegen den „Imperialismus“ und da wäre eine Kritik an den Umgangsformen der AAW unangebracht. Deutschland ist, so ein Aktivist im Interview mit der „Arbeitermacht“, nur ein „kleiner Teil der imperialistischen Weltordnung“. Der Feind steht anderswo. Es sei die „imperialistische Weltordnung“, die „von den USA angeführt“ werden würde.
    In Deutschland gäbe es ein ganz anders Problem. Dort verüben „Antideutschen“ jedweder Couleur einen Terrorakt nach dem anderen. Die „Antideutschen“ würden, „die radikale Linke mit Anschuldigungen des Antisemitismus und mit körperlichen Angriffen terrorisieren“. Die „Antideutschen“ seien „die wahren Antisemiten in der radikalen Linken (7)“, behauptet der Aktivist.

    (1) Proklamation der AAW: http://deu.anarchopedia.org/Anarchists_Against_the_Wall
    (2) Neue Internationale 94, Oktober 2004
    http://www.arbeitermacht.de/ni/ni94/mauer.htm
    (3) https://www1.ch.indymedia.org/itmix/2004/08/25401.shtml
    (4) Vgl.: http://www.conne-island.de/nf/123/13.html
    (5) http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Israel/anarchist.html
    6) http://countingcats.blogsport.de/
    (7) Neue Internationale 94, Oktober 2004
    http://www.arbeitermacht.de/ni/ni94/mauer.htm

  4. 4 tee 22. Mai 2009 um 2:35 Uhr

    o-ton? wen oder was hast du denn da jetzt zitiert?

    ich hab selbst eine veranstaltung mit yossi mitgemacht. dort war keinesfalls die rede von einer „Apartheids Mauer“ oder einem „weltweiten Boykott von israelischen Waren“. anderes hier zitiertes schon. aber wer sich schon über solch simple feststellungen(!) aufregt:

    Zum Beispiel ist es nicht schicklich für Männer, in kurzen Hosen herumzulaufen. An manchen Orten in Palästina sieht man Frauen und Männer, die nicht verheiratet sind, nicht gern zusammen (5)“. Der Aktivist fasst zusammen: „In Tel Aviv müssen wir darüber gar nicht nachdenken, in Palästina schon.“

    … naja, ich denk mir meinen teil.

    und dass sie mit „zweifelhaften“ organisationen zusammen demonstrieren – na au weia! aber beachte doch mal die verhältnisse! [polemik] die hamas ist auch nur sowas wie die palästinensische cdu und mit der und der fdp demonstrieren hier auch gruppen wie das bgal für ein „taktisches ziel“.[/polemik] drauf geschissen!

    ps: teilweise sind das zitate von 2004, als yossi gerade mal 18 jahre jung war. ich glaube schon (und hatte den eindruck), dass er seit dem so einiges dazugelernt hat.

  5. 5 tee 22. Mai 2009 um 2:41 Uhr

    noch mal zum allerbesten und bezeichnendsten:

    Fazit: Dieser reaktionäre Dreck wird auch dadurch nicht besser, dass ein israelischer Aktivist (als Gewährsmann gegen den Antisemitismusvorwurf) sie vorträgt.

    entnimmst du bitte woraus? aus der herkunft? DAS ist mal reaktionärer dreck!

  6. 6 tee 22. Mai 2009 um 2:44 Uhr

    und dass die mauer auf 80% ihrer länge (noch!) ein zaun ist, ist auch ein wahnsinnsargument von dir. macht eine grenze natürlich viel besser sowas …

  7. 7 bigmouth 22. Mai 2009 um 12:58 Uhr

    wow, in der wüste wo niemand lebt, ist das nur ein zaun. voll der trost für leute, denen eine 5m-mauer druch ihr dorf gebaut wurde…

    der witz ist doch: der sinn der die mauer ist auch landnahme, denn sie zementiert faktisch einen teil der israelischen siedlungen im westjordanland.

  8. 8 barkas 25. Mai 2009 um 16:03 Uhr

    Hier eine kluge, unaufgeregte Dokumentation zu dem Thema.

    http://www.youtube.com/watch?v=xp_4zkuwozI

  9. 9 cosmojl 25. Mai 2009 um 17:37 Uhr

    liebster tee, dass der einwand die hamas sei sowas wie die pali-cdu totaler bullshit ist, wird auch nicht durch den distanzierenden polemik mode abgeschwächt.

  10. 10 tee 05. Juni 2009 um 15:51 Uhr

    hm. den hätte ich echt weg lassen können. denn die hamas ist so in etwa die cdu palästinas wie du der olli klatt von blogsport bist. liebster cosmojl.

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