Archiv für Juli 2010

Denglisch auf dem Vormarsch! So what? – Warum es der deutschen Sprache gut geht und ihre Verteidiger gefährlich sind, Teil 1

Ein Dank vorab: Viele der hier vertretenen Argumente zum Thema „Denglisch“ und zur Kritik an den Sprachhygienikern habe ich im Bremer Sprachblog von Anatol Stefanowitsch gefunden. Die Lektüre dieses Blogs und seines Nachfolgers, des Sprachlogs, kann ich allen Interessierten nur wärmstens empfehlen. Sie lohnt sich – für den Erkenntnisgewinn wie zur Unterhaltung.

Ein Disclaimer vorab: Über Jahre ging ich meinen Freunden damit auf den Geist, sie zu korrigieren, wenn sie bei Erzählungen aus ihrem Uni- oder Arbeitssalltag mit englischen Vokabeln um sich warfen. Das müsse doch auch auf Deutsch gehen, und so weiter – Sie verstehen schon. Wenn ich daraufhin den Vorwurf erntete, ich machte mich mit deutschtümelnden Sprachfanatikern gemein, die englische Musik im Radio verbieten wollten, dann hielt ich das natürlich für ungerecht, war aber bereit, es um der Sache willen zu schlucken. Mit den Fanatikern teilte ich ja immerhin die Meinung, es gäbe eine Inflation englischer Wörter im deutschen Sprachgebrauch, und das Deutsche nähme dadurch Schaden. Das war ein Irrtum: Die Sprache wird zwar von Bürokraten auf der einen Seite so gequält, wie sie von Politikern und Werbefuzzis auf der anderen gegeißelt wird; zwar ist es um die Sprachkompetenz des Durchschnittssprechers schlimm bestellt, und auch die Profis in den Medien schmeißen mit Stilblüten und grammatischen Schludereien um sich, dass es eine Art hat – all das bedroht aber nicht die deutsche Sprache als Ganzes; vor allem ist sie nicht durch fremdsprachliche Einflüsse gefährdet. Die selbsternannten Sprachschützer jedoch, die sind wirklich eine Gefahr; und der Anklang, den sie finden, ist Ausdruck von Schlimmerem. Was ich damit meine, versuche ich im Folgenden zu argumentieren.
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Weder Hitler noch normal – Thesen zum WM-Nationalismus und seinen Gegnern, Teil 2

So komplex es auch wäre, den nationalen Fußballwahn im Allgemeinen – und den deutschen im Speziellen – zu kritisieren, so leicht scheint es deutschen Linksradikalen zu fallen, sich in diesem Punkt einig zu werden. Anders gesagt: So zerstritten deutsche Linksradikale auch aus gutem Grunde in nahezu allen grundsätzlichen und sachbezogenen Fragen sind, um so leichter fällt es ihnen, in der Ablehnung der deutschen Fußballnationalmannschaft einig zu sein. Der Neuköllner Fahnenstreik (Deutsch-Libanesen gegen Autonome) hat es in die Zeit gebracht; der Göttinger Fahnenraub immerhin ins Tageblatt. In Hannover-Linden wurde nach dem Halbfinale ein stadtbekannter Antiimp beobachtet, wie er sich für das Recht prügeln wollte, Spanien-Fan zu sein – nur fand er in der linksliberalen Kneipe, in der er sich betrunken hatte, niemanden, der ihm dieses Recht streitig machen wollte.

Egal: Antifas, Autonome, Antinationale und Antideutsche – sie alle freuen sich, wenn die DFB-Auswahl verliert, und sie alle finden es gar schröcklich, wenn sie gewinnt, bzw. wenn Deutsche diesen Sieg dann feiern. Wie der Mainstream versucht, jeden noch so rassistischen Ausbruch der Fußball-Deutschen als friedliches Fest zu verkaufen, so versucht die Linke im Gegenzug, jeden blöden Deutschland-Deutschland-Sprechchor zum Beinahe-Pogrom aufzubauschen.
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