Archiv für März 2011

Kritik des Poststrukturalismus – Theorieveranstaltung am 15. April in Göttingen

Das [a:ka] kommt endlich auch mal wieder in die Gänge und hat Alex Gruber vom Café Critique eingeladen: „Kritische Theorie & Postmoderne – Zur Unmöglichkeit poststrukturalistischer Gesellschaftskritik“ heißt der Vortrag und will den Granden der Postmodernen Theorie von Foucault über Butler bis Agamben nachweisen, dass sie in Sachen Aufklärungsverrat heute die Rolle spielen, die vor 75 Jahren solch illustren Philosophen-Nazis wie Martin Heidegger oder Carl Schmitt zukam. Gruber schreibt für antideutsche Theorieblätter wie Bahamas oder Prodomo und ist Mitherausgeber des Bandes „Gegenaufklärung – Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft“, der demnächst im Ca-Ira-Verlag erscheint. Wer von Gruber schon mal einen Text gelesen hat, dem dürfte sein Hang zu steilen Thesen bekannt sein – was vielleicht nicht für einen ausgewogenen Vortrag sorgt, dafür aber für eine spannende Diskussion. Hier die Veranstaltungsdaten:

Vortrag & Diskussion
mit Alex Gruber (Café Critique)
am Freitag, den 15. April
um 19 Uhr im ZHG 005

Der heimliche Neid auf Japan, oder: Deutschland träumt von der Volksgemeinschaft

Japan hat es so richtig übel erwischt, und angesichts der Verwüstungen und der Dreifach-Kernschmelze im AKW Fukushima ist die Fixierung der Medien auf die dortigen Ereignisse auch kaum verwunderlich. Wundern kann man sich allerdings sehr wohl über die Zwischentöne, die sich in Deutschland immer wieder in die Berichterstattung schleichen: Da wird zum einen mit kaum verhohlener Begeisterung vom „Zusammenbruch einer Industrienation“ gefaselt, als stünde dem Land ein Rückfall in die Dritte Welt bevor. Gleichzeitig dürfen sich Ethnologinnen und Historiker, Moderatorinnen und Leitartikler in jeder Sendung und in jedem Text über die famose „Disziplin“ der Japaner auslassen, die trotz des Bebens zur Arbeit gingen (wo es noch eine Arbeit gibt), und ansonsten ruhig in Notunterkünften ausharrten und gemeinsam ihr Überleben organisierten.

Mir drängt sich der Eindruck auf, dass beide Phänomene – der vermeintliche Untergang eines Industriestaates und das kollektive Ärmelaufkrempeln und Weitermachen seiner Bevölkerung – weniger um ihrer selbst willen so hervorgehoben werden, als weil sie im kollektiven Unbewussten des postnazistischen Deutschlands ein paar Saiten zum Klingen bringen, die lange ungezupft geblieben sind. Als Bündnis der völkischen Gemeinschaften gegen den westlichen Individualismus hatte Deutschland mit Japan gemeinsam Krieg geführt; gemeinsam war man untergegangen und gemeinsam war man wieder zu Reichtum gekommen. Obwohl damals alles kaputt schien, waren nach wenigen Jahren aus Ruinen wieder blühende Landschaften erwachsen – und zwar scheinbar aus nichts als aus dem Fleiß und aus dem Durchhaltewillen zweier geschlagener Nationen.
Mir scheint, dass Journalisten wie Rezipienten insgeheim stets diesen Zusammenhang im Kopf haben, wenn sie derzeit über Japan schreiben oder lesen, senden oder schauen. Unmittelbar an die Oberfläche dringt er allerdings nur, wenn Zeitungen, Talkrunden oder Blogs vom „Kamikaze-Einsatz“ schwafeln und damit die Fukushima 50 meinen – doch dazu später.
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