Archiv für Mai 2011

Gefällt mir: Musik von Ja, Panik

Das aktuelle Album der burgenländisch-berlinerischen Band „Ja, Panik“ heißt DMD KIU LIDT, was ausgeschrieben „Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“ bedeuten soll – und damit natürlich schon ein bisschen kitschig ist. Andererseits: Die Jungs singen so ambivalente Zeilen wie „Achtung, Achtung, Achtung vor der allzu schnellen Heilung/ denn das was uns zerstört, will uns gleich schon reparieren“, um den Kapitalismus zu beschreiben, und so was fiele außer ihnen vielleicht noch den „Goldenen Zitronen“ oder „Tocotronic“ ein. Und sie stellen fest, dass man Pop nicht allzu ernst nehmen dürfe, „gilt es doch nach wie vor, eine Welt zu zerstören.“ Außerdem bringt es allein der Titelsong auf fast eine Viertelstunde guter Musik. Hört’s Euch an!

Zuhause bleiben gegen Nazis – oder: Warum die NPD heute ohne mich tagen musste

Dass Nazis bekämpft gehören, und zwar auf allen Ebenen und mit allen Mitteln, das weiß sogar noch die A.L.I. – auch wenn sie sonst überhaupt nichts mehr weiß. Deshalb ist es erstmal auch zu begrüßen, wenn anlässlich des NPD-Parteitags in Northeim mit 1.400 Gegendemonstranten zu rechnen war. Das Problem, bzw. der Grund warum ich das Spektakel von Zuhause aus verfolgte, ist die Zusammensetzung dieser Nazigegner: 1.000 brave Bürger vom grün-roten Vollkornbourgeois bis zum evangelischen Pfaffen treffen sich zum Kuchenessen gegen Faschismus, und 400 gar extremistische Göttinger Antifas wollen versuchen, der NPD den Tag zu versauen. Die Bürger werden dabei von derselben Sorte Provinz-Pappenheimer angeführt, die vor zwei Jahren in Friedland zum Fremdschämen Anlass gaben – man hat, kurz gesagt, soviel damit zu tun, sich von der Antifa zu distanzieren, dass man sich um die Nazis kaum noch kümmern kann. Die Northeimer CDU etwa phantasiert von „vermummten Schlägertrupps, die sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern“, und warnt im selben Atemzug davor, die Antifa könne friedliche Demonstranten abschrecken. Eine selfullfilling prophecy erster Güte: Seit die Northeimer Einzelhändler wissen, dass sie sich fürchten sollen, haben sie es offenbar tatsächlich mit der Angst zu tun bekommen und ihre Läden verbarrikadiert.
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