Archiv der Kategorie 'Kritik & Theorie'

Weder Hitler noch normal – Thesen zum WM-Nationalismus und seinen Gegnern, Teil 2

So komplex es auch wäre, den nationalen Fußballwahn im Allgemeinen – und den deutschen im Speziellen – zu kritisieren, so leicht scheint es deutschen Linksradikalen zu fallen, sich in diesem Punkt einig zu werden. Anders gesagt: So zerstritten deutsche Linksradikale auch aus gutem Grunde in nahezu allen grundsätzlichen und sachbezogenen Fragen sind, um so leichter fällt es ihnen, in der Ablehnung der deutschen Fußballnationalmannschaft einig zu sein. Der Neuköllner Fahnenstreik (Deutsch-Libanesen gegen Autonome) hat es in die Zeit gebracht; der Göttinger Fahnenraub immerhin ins Tageblatt. In Hannover-Linden wurde nach dem Halbfinale ein stadtbekannter Antiimp beobachtet, wie er sich für das Recht prügeln wollte, Spanien-Fan zu sein – nur fand er in der linksliberalen Kneipe, in der er sich betrunken hatte, niemanden, der ihm dieses Recht streitig machen wollte.

Egal: Antifas, Autonome, Antinationale und Antideutsche – sie alle freuen sich, wenn die DFB-Auswahl verliert, und sie alle finden es gar schröcklich, wenn sie gewinnt, bzw. wenn Deutsche diesen Sieg dann feiern. Wie der Mainstream versucht, jeden noch so rassistischen Ausbruch der Fußball-Deutschen als friedliches Fest zu verkaufen, so versucht die Linke im Gegenzug, jeden blöden Deutschland-Deutschland-Sprechchor zum Beinahe-Pogrom aufzubauschen.
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Weder Hitler noch normal – Thesen zum WM-Nationalismus und seinen Gegnern, Teil 1

Was hat sich geändert am deutschen Fußballnationalismus, wenn man 2010 mit 2006 vergleicht? Zum einen wird immer noch ständig betont, es sei „ganz normal“, wenn Deutsche mit ihren Fahnen gröhlend und saufend die Siege der deutschen Auswahl feiern. Zum anderen scheint mir die Stimmung aber dennoch ein gutes Stück aggressiver und gehässiger zu sein als vor vier Jahren – was daran liegen dürfte, dass man sich nicht wegen seiner Gastgeberpflichten zurückhalten muss. 2006 schaute im wahrsten Sinne des Wortes die ganze Welt darauf, wie sich die Deutschen aufführen würden, und ob es hier, etwa für die Fans schwarzafrikanischer Mannschaften, auch sicher sein würde; heute schaut die Welt nach Südafrika, und in Göttingen muss sich niemand mehr darum Gedanken machen, ob er vielleicht in den mexikanischen Abendnachrichten auftaucht, wenn er seiner Freude über ein deutsches Tor mit einem Hitlergruß Ausdruck verleiht. Das genau dies offenbar ausgiebig geschieht, hat Rakete in einer kleinen Reportage bei Monsters of Göttingen über den Abend nach dem Ghana-Spiel dokumentiert.
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