Archiv der Kategorie 'Politkram Regional'

Lobenswertes zum Papstbesuch

Nicht, dass ich ein Fan des zwar klugen, aber dennoch erzreaktionären Altinquisitors Ratzinger wäre – aber die ewig gleichen, linken Veranstaltungen anlässlich seines bevorstehenden Deutschlandbesuchs können einem doch ganz schön auf den Geist gehen. Und ebenso auf den Geist gehen kann einem die Kritiklosigkeit, mit der die Linke den Neuen Atheisten um Richard Dawkins gegenübersteht. Gegen deren Versuch, Gesellschaft in Biologie und Freiheit in Evolution aufzulösen, fällt offenbar kaum jemandem etwas ein.

Angesichts dieses linken Kritikversagens sei allen Interessierten wärmstens eine Veranstaltung des [a:ka] empfohlen:

Kritik der Religion, Kritik des Atheismus

am Dienstag, den 13. September, um 19 Uhr
im APEX, Burgstraße 46, Göttingen

Mit Jan Singer vom [a:ka], der die Religionskritik übernimmt, und Leo Elser von der Redaktion Polemos, der sich bereits in der Bahamas schlau über die anti-kritische Tendenz des Atheismus ausließ.

Zuhause bleiben gegen Nazis – oder: Warum die NPD heute ohne mich tagen musste

Dass Nazis bekämpft gehören, und zwar auf allen Ebenen und mit allen Mitteln, das weiß sogar noch die A.L.I. – auch wenn sie sonst überhaupt nichts mehr weiß. Deshalb ist es erstmal auch zu begrüßen, wenn anlässlich des NPD-Parteitags in Northeim mit 1.400 Gegendemonstranten zu rechnen war. Das Problem, bzw. der Grund warum ich das Spektakel von Zuhause aus verfolgte, ist die Zusammensetzung dieser Nazigegner: 1.000 brave Bürger vom grün-roten Vollkornbourgeois bis zum evangelischen Pfaffen treffen sich zum Kuchenessen gegen Faschismus, und 400 gar extremistische Göttinger Antifas wollen versuchen, der NPD den Tag zu versauen. Die Bürger werden dabei von derselben Sorte Provinz-Pappenheimer angeführt, die vor zwei Jahren in Friedland zum Fremdschämen Anlass gaben – man hat, kurz gesagt, soviel damit zu tun, sich von der Antifa zu distanzieren, dass man sich um die Nazis kaum noch kümmern kann. Die Northeimer CDU etwa phantasiert von „vermummten Schlägertrupps, die sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern“, und warnt im selben Atemzug davor, die Antifa könne friedliche Demonstranten abschrecken. Eine selfullfilling prophecy erster Güte: Seit die Northeimer Einzelhändler wissen, dass sie sich fürchten sollen, haben sie es offenbar tatsächlich mit der Angst zu tun bekommen und ihre Läden verbarrikadiert.
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Kritik des Poststrukturalismus – Theorieveranstaltung am 15. April in Göttingen

Das [a:ka] kommt endlich auch mal wieder in die Gänge und hat Alex Gruber vom Café Critique eingeladen: „Kritische Theorie & Postmoderne – Zur Unmöglichkeit poststrukturalistischer Gesellschaftskritik“ heißt der Vortrag und will den Granden der Postmodernen Theorie von Foucault über Butler bis Agamben nachweisen, dass sie in Sachen Aufklärungsverrat heute die Rolle spielen, die vor 75 Jahren solch illustren Philosophen-Nazis wie Martin Heidegger oder Carl Schmitt zukam. Gruber schreibt für antideutsche Theorieblätter wie Bahamas oder Prodomo und ist Mitherausgeber des Bandes „Gegenaufklärung – Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft“, der demnächst im Ca-Ira-Verlag erscheint. Wer von Gruber schon mal einen Text gelesen hat, dem dürfte sein Hang zu steilen Thesen bekannt sein – was vielleicht nicht für einen ausgewogenen Vortrag sorgt, dafür aber für eine spannende Diskussion. Hier die Veranstaltungsdaten:

Vortrag & Diskussion
mit Alex Gruber (Café Critique)
am Freitag, den 15. April
um 19 Uhr im ZHG 005

Weder Hitler noch normal – Thesen zum WM-Nationalismus und seinen Gegnern, Teil 2

So komplex es auch wäre, den nationalen Fußballwahn im Allgemeinen – und den deutschen im Speziellen – zu kritisieren, so leicht scheint es deutschen Linksradikalen zu fallen, sich in diesem Punkt einig zu werden. Anders gesagt: So zerstritten deutsche Linksradikale auch aus gutem Grunde in nahezu allen grundsätzlichen und sachbezogenen Fragen sind, um so leichter fällt es ihnen, in der Ablehnung der deutschen Fußballnationalmannschaft einig zu sein. Der Neuköllner Fahnenstreik (Deutsch-Libanesen gegen Autonome) hat es in die Zeit gebracht; der Göttinger Fahnenraub immerhin ins Tageblatt. In Hannover-Linden wurde nach dem Halbfinale ein stadtbekannter Antiimp beobachtet, wie er sich für das Recht prügeln wollte, Spanien-Fan zu sein – nur fand er in der linksliberalen Kneipe, in der er sich betrunken hatte, niemanden, der ihm dieses Recht streitig machen wollte.

Egal: Antifas, Autonome, Antinationale und Antideutsche – sie alle freuen sich, wenn die DFB-Auswahl verliert, und sie alle finden es gar schröcklich, wenn sie gewinnt, bzw. wenn Deutsche diesen Sieg dann feiern. Wie der Mainstream versucht, jeden noch so rassistischen Ausbruch der Fußball-Deutschen als friedliches Fest zu verkaufen, so versucht die Linke im Gegenzug, jeden blöden Deutschland-Deutschland-Sprechchor zum Beinahe-Pogrom aufzubauschen.
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Weder Hitler noch normal – Thesen zum WM-Nationalismus und seinen Gegnern, Teil 1

Was hat sich geändert am deutschen Fußballnationalismus, wenn man 2010 mit 2006 vergleicht? Zum einen wird immer noch ständig betont, es sei „ganz normal“, wenn Deutsche mit ihren Fahnen gröhlend und saufend die Siege der deutschen Auswahl feiern. Zum anderen scheint mir die Stimmung aber dennoch ein gutes Stück aggressiver und gehässiger zu sein als vor vier Jahren – was daran liegen dürfte, dass man sich nicht wegen seiner Gastgeberpflichten zurückhalten muss. 2006 schaute im wahrsten Sinne des Wortes die ganze Welt darauf, wie sich die Deutschen aufführen würden, und ob es hier, etwa für die Fans schwarzafrikanischer Mannschaften, auch sicher sein würde; heute schaut die Welt nach Südafrika, und in Göttingen muss sich niemand mehr darum Gedanken machen, ob er vielleicht in den mexikanischen Abendnachrichten auftaucht, wenn er seiner Freude über ein deutsches Tor mit einem Hitlergruß Ausdruck verleiht. Das genau dies offenbar ausgiebig geschieht, hat Rakete in einer kleinen Reportage bei Monsters of Göttingen über den Abend nach dem Ghana-Spiel dokumentiert.
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