Archiv der Kategorie 'Politkram Regional'

Staat und Krise – eine Veranstaltung des [a:ka]

Meine Lieblingspolitgruppe, das [a:ka], hat nach längerer Zeit mal wieder antideutsche Prominenz aus Freiburg zu Gast: Jochen Bruhn von der ISF. Das Thema ist diesmal allerdings weniger antideutsch als klassisch staats- bzw. kapitalkritisch – es geht um „Staat und Krise“. Es scheint, als wandele Bruhn weiterhin auf den Spuren eines Textes, den die ISF im Herbst 2008 in der Jungle World veröffentlicht hat. Er prophezeit den Übergang in den Ausnahmezustand, weil das Kapital ohne die permanente Aktion des Souveräns seine Reproduktionsfähigkeit verloren habe. Der kurze und (ISF-typisch) leicht kryptische Ankündigungstext findet sich hier.

Ich stehe, seit ich von der kurzschen Krisis-Mission geheilt bin, zwar jeglichen Untergangsszenarien skeptisch gegenüber, halte Bruhn aber für jemanden, dessen Thesen man sich auf jeden Fall anhören sollte. Die Chance dazu besteht am Dienstag, den 23. Februar, ab 19.30 Uhr in der Galerie Apex, Burgstraße 46, Göttingen.

Besser spät als gar nicht…

… möchte ich hier doch nochmal Werbung für eine Veranstaltung meiner Lieblingspolitgruppe am 20. November machen:

Das [a:ka] hat den exiliranischen Politikwissenschaftler Wahied Wahdat-Hagh eingeladen, am 20.11. ab 19.30 Uhr im Göttinger DGB-Haus am Platz der Synagoge Zum Iran zu referieren. Highly recommended besuching, oder wie das im Blogger-Sprech heißt. Im Folgenden dokumentiere ich den Ankündigungsflyer:

Fünf Monate nach den Wahlen im Iran hat sich die Aufregung hierzulande gelegt: Seit es den Kräften um Präsident Mahmud Ahmadinedschad gelungen ist, die Protestwelle gegen dessen offensichtlichen Wahlbetrug zu brechen, ist das Thema aus den Medien weitgehend verschwunden, und die deutsche Außenpolitik hat sich mit den weiterhin herrschenden Verhältnissen im Land arrangiert. Was bleibt ist der Eindruck, dass eigentlich kaum jemand weiß, wer da im Sommer warum gegen wen gekämpft hat. Welche Triebkräfte waren es, die die „Islamische Republik“ bis an den Rand des Zusammenbruchs destabilisiert haben? Und auf welcher Grundlage kann sie trotzdem fortbestehen?

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Anarchists against Israel, oder: Deppen im ZHG

Linke Antizionisten habe es ja nicht leicht hierzulande: Irgendwie hat man ihnen eingebleut, dass Parolen wie „Boykottiert Israel!“ doch nicht so gut kommen, weil das Erinnerungen an Judenboykotts wachruft; und seit sogar die Bundesregierung etwas von der „unverbrüchlichen Solidarität“ daherfaselt, die Deutschland Israel (wegen der Sache mit Auschwitz) entgegenbringe, kann man seinen Hass auf den Judenstaat einfach nicht mehr so öffentlich herausbaumeln lassen wie früher.
Deshalb ist jetzt „Äquidistanz“ angesagt, und die geht so: „Wir sind gegen die Kriegstreiber und unterstützen die fortschrittlichen Kräfte auf beiden Seiten!“ Das klingt erstmal besser, meint aber letztlich das gleiche wie der alte Antizionismus, denn: Die fortschrittlichen Kräfte in Palästina sind die, die gegen Israel sind, und die fortschrittlichen Kräfte in Israel sind die, die auch gegen Israel sind.

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Die Friedländer Bürgerversammlung, oder: Der Kollateralnutzen einer abgesagten Nazidemo

Die Nazis haben ihre Demo in Friedland abgeblasen, die ganze Aufregung in der Göttinger Szene war also fast umsonst. Sie warf dann aber doch noch einen Kollateralnutzen ab: Vor ein paar Wochen kamen nämlich 250 besorgte Friedländer zu einer Bürgerversammlung und ließen sich von Polizei, Gemeinde und Verfassungsschutz über die bevorstehenden Demos informieren. Das Stadtradio Göttingen produzierte einen Mitschnitt, und der enthält – neben einigen Strecken Langeweile – auch ein paar echte Meisterstücke aus dem Genre Realsatire. Die drei schönsten Vorträge sind hier zusammengefasst und kommentiert; die Zitate sind zwar teilweise gekürzt, aber alle echt.

1. Der Bürgermeister (verwirrt, aber lokalpatriotisch) fühlt, was viele fühlen: „Viele von uns fühlen, dass es heute um ein Thema geht, dass so gar nicht zu unserem Friedland passt.“ Warum das denn nicht? Na, wegen der Kriegsheimkehrer: „1945 haben unsere Großeltern und Eltern hier in Friedland ein deutliches Zeichen gesetzt: 5000 Menschen täglich kamen Tag für Tag in unser Friedland.“ Und da war niemals nicht kein einziger Nazi dabei, statt dessen täglich – wenn nicht sogar Tag für Tag – nur Opfer.

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